Sebastian Hofelich - Drivenow

„Die Kosten des Carsharings werden oft falsch eingeschätzt.“

Für viele Autofahrer ist der Verkehr in den Großstädten ein Graus. Staus und fehlende Parkplätze machen die Fahrt zur nervlichen Belastungsprobe. Mit seinem Carsharing-Angebot will das Münchener Unternehmen DriveNow diese Probleme angehen. Freiere Straßen, leichtere Suche nach einer Parkfläche und weniger Emissionen sollen die Lebensqualität in den Städten wieder anheben.

Was das Carsharing dazu beitragen kann, erklärt Sebastian Hofelich. Der Diplom-Wirtschaftsingenieur ist seit Juli 2015 Geschäftsführer bei DriveNow. Im Interview mit kfz-versicherung.com verrät der zweifache Vater außerdem, was die Carsharing-Anbieter noch verbessern können und wie das Familienleben seine Fahrgewohnheiten beeinflusst.

Was sind die größten Vorteile des Carsharings?

Carsharing ermöglicht es im Zusammenspiel mit dem Öffentlichen Nahverkehr und anderen Mobilitätsoptionen auf ein eigenes Auto verzichten zu können. Die Nutzer können bedarfsgerecht ein Auto ihrer Wahl aussuchen und bezahlen nur dann, wenn sie es auch wirklich nutzen.

Schließlich steht ein privates Auto 23 Stunden am Tag herum. Die Fixkosten, beispielsweise für Versicherung und Steuern, werden aber trotzdem voll berechnet. In den Carsharing-Tarifen hingegen sind die Kosten für Parken, Versicherung und Sprit bereits enthalten. Darüber hinaus muss sich der Kunde nicht um Inspektion und Wartung kümmern.

Für die Städte hat Carsharing den Vorteil, dass mehr und mehr private PKW abgeschafft werden. Ein Carsharing-Fahrzeug ersetzt nach wissenschaftlichen Studien mindestens drei private PKW. Weniger Autos bedeuten weniger Verkehr, weniger Stau, weniger Parkdruck und am Ende weniger Emissionen. Carsharing ist also ein Mittel, um die Lebensqualität in Städten zu erhöhen und nachhaltige Mobilität zu ermöglichen.

Was können Carsharing-Dienste verbessern, um mehr ins allgemeine Bewusstsein der Deutschen zu kommen?

Erstmal können wir mit Stolz sagen, dass wir das Carsharing mit DriveNow bereits einem Großteil der Bevölkerung nahe gebracht haben. Bevor wir gestartet sind, gab es 185.000 Carsharing-Nutzer in Deutschland. Mittlerweile sind es über zwei Millionen. In München ist beispielsweise jeder vierte Führerscheinbesitzer ein DriveNow-Kunde.

In den Städten, in denen wir in Deutschland präsent sind, haben wir Bekanntheitsgrade von über 80 Prozent. Grundsätzlich konzentriert sich Carsharing heute noch stark auf den urbanen Raum. Hier gibt es sicher noch Potential in ländlichen Gegenden.

Außerdem können wir noch mehr Bewusstsein für die Vorteile des Carsharings schaffen. Zum einen sollten wir immer wieder den Nachhaltigkeitsaspekt ansprechen, den das Carsharing mit sich bringt. Auch die Vorteile des Freefloating-Carsharings gilt es immer wieder zu betonen. Hier ist der Nutzer nicht an feste Stationen gebunden, sondern kann das Auto fast überall im Geschäftsgebiet an- und abmieten.

Und leider werden die Kosten des Carsharings noch oft falsch eingeschätzt. Wenn alle Kosten eines privaten PKW eingerechnet werden, kann ich dafür jeden Tag eine Stunde ein Carsharing-Auto nutzen. Das müssen wir viel stärker ins Bewusstsein bringen. 

Wie sind die Fahrer und Fahrzeug beim Carsharing versichert?

Für unsere Fahrzeuge besteht eine Haftpflichtversicherung im üblichen Umfang. Die Haftung des Nutzers aus Unfällen für Schäden von DriveNow ist dabei grundsätzlich auf 350 EUR beschränkt. Dies gilt jedoch nicht, wenn der Schaden vorsätzlich oder durch grobe Fahrlässigkeit herbeigeführt wurde.

Was sind die schlimmsten Schäden, die Ihre Kunden angerichtet haben?

Grundsätzlich sehen wir, dass unsere Kunden mit unseren Fahrzeugen sehr verantwortungsvoll umgehen. Trotzdem bleiben bei 750.000 Fahrten im Monat Unfälle und Schäden nicht aus. Der Großteil sind dabei typische Bagatellschäden wie Parkrempler oder Lackkratzer. Wir mussten aber leider auch schwerere Auffahrschäden mit unseren Autos erleben.

Besitzen Sie selbst ein Auto oder nutzen Sie ausschließlich Carsharing?

Sowohl als auch. Nach meinem Einstieg bei DriveNow haben meine Frau und ich eines unserer beiden Autos abgeschafft. Ich habe dann den Öffentlichen Nahverkehr, Carsharing und mein Fahrrad genutzt.

Seitdem wir allerdings zwei Kinder haben und an den Stadtrand gezogen sind, kommen wir um ein eigenes Auto nicht herum. Trotzdem fahre ich in den Städten, in denen wir mit DriveNow präsent sind, fast immer mit einem unserer Autos. Das sind zum Beispiel die Strecken zum Flughafen oder wenn ich abends Freunde zum Essen treffe.

Wie würden Menschen, die regelmäßig bei Ihnen mitfahren, Ihr Fahrverhalten beschreiben?

Ich denke, sie würden mein Fahrverhalten als zügig, aber gleichzeitig vorausschauend und umsichtig beschreiben.

Welchen besonderen Tipp haben Sie für unsere Leser, die gerade auf der Suche nach dem besten Carsharing-Angebot sind?

Schauen Sie sich an, für welchen Anwendungsfall Sie in den meisten Fällen auf ein Auto angewiesen sind. Wie oft brauchen Sie ein Auto? Auf welchen Strecken sind Sie unterwegs? Welcher Zweck ist mit der Fahrt verbunden?

Auf dieser Basis finden Sie schnell heraus, welches Angebot am besten passt. Wenn Sie dann bei DriveNow landen, freuen wir uns natürlich. In der Regel ist es außerdem sinnvoll, Carsharing mit anderen Verkehrsmitteln wie dem Öffentlichen Nahverkehr oder Bikesharing zu kombinieren. 

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