Robert Herrman - Leiter des Studienganges „Elektrotechnik und Elektromobilität“ an der Technischen Hochschule Ingolstadt

„Ich würde nie wieder ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor kaufen.“

Seit ihrer Gründung im Jahr 1994 versteht sich die Technische Hochschule Ingolstadt als Trendsetter in Bereichen Technik und Wirtschaft. Seit 2013 wird der zukunftsweisende Studiengang „Elektrotechnik und Elektromobilität“ unterrichtet, in den derzeit 150 Studierende eingeschrieben sind.

Prof. Dr. Robert Hermann leitet den Studiengang seit dem Wintersemester 2014. Er studierte Elektrotechnik in Wien und Berlin und sieht großes Potenzial in der Elektromobilität, kurz E-Mobilität. Im Interview mit kfz-versicherung.com zeigt Prof. Dr. Hermann deren Vorteile und Perspektiven auf.

Woran liegt es, dass sich die E-Mobilität noch nicht beim Massenpublikum durchsetzt?

Das liegt unter anderem an den hohen Anschaffungskosten durch die sehr teuren Batteriesysteme. Zudem haben viele Autofahrer Angst vor geringen Reichweiten und langen Ladezeiten. Diese Ladezeit wird sich in den nächsten Jahren aber von aktuell bis zu zwei Stunden auf unter 30 Minuten reduzieren. Anbieterübergreifende Roamingverträge lösen außerdem das Problem unterschiedlicher Zugangs- und Bezahlsysteme an den Ladestationen.
Leider ist die bestehende und ständig wachsende Ladeinfrastruktur für eine große Anzahl von E-Autos aktuell nicht ausreichend. Insbesondere Schnellladestationen sind Mangelware. Dazu kommt die fehlende Unterstützung durch die Bundesregierung, die auf das Prinzip „abwarten und hoffen“ setzt. Dabei hat ein amerikanischer Hersteller eindrucksvoll gezeigt, wie eine eigene Ladeinfrastruktur in kürzester Zeit auf die Beine gestellt wird. Hier ist in Deutschland rasches Handeln gefragt!

Wie lange wird es nach dem aktuellen Stand der Forschung dauern, bis E-Fahrzeuge für jedermann praktikabel und erschwinglich sind?

Durch die schnell wachsenden Speicherkapazitäten der Batterien bei gleichzeitig sinkenden Kosten können wir von einem Zeitraum zwischen drei und fünf Jahren ausgehen.

Hat die E-Mobilität positive Auswirkungen auf Verkehr in Großstädten, etwa bei der Bekämpfung von Staus? Oder steigt durch die leiseren Fahrzeuge das Unfallrisiko?

E-Autos sind lokal emissionsfrei, dadurch wird sich die Luftqualität in Großstädten massiv verbessern. Insbesondere bei geringen Geschwindigkeiten unter 30km/h und beim Beschleunigen an Kreuzungen sind die Autos nahezu lautlos. Daran sind die Menschen noch nicht gewöhnt. Das Unfallrisiko kann aber durch dezente Summ-Geräusche, die das Fahrzeug im Stadtverkehr aussendet, gerade für Fußgänger und Radfahrer reduziert werden. Auch der Einzug von Fahrerassistenzsystemen wird sich zukünftig positiv auswirken.
Im Zuge der E-Mobilität werden auch neue Mobilitätskonzepte entstehen, die die Fahrzeugdichte in Großstädten reduzieren wird. Autonom fahrende Fahrzeuge, die sowohl untereinander als auch mit der Verkehrsinfrastruktur kommunizieren, werden in Zukunft helfen, Staus zu vermeiden und die Parkplatzsuche erleichtern.

Gibt es drei gute Gründe für unsere Leser, gerade jetzt auf E-Mobilität umzusatteln?

E-Autos bieten einen sehr hohen Fahrkomfort. Motoren- oder Antriebsgeräusche in der Fahrgastzelle sind quasi nicht vorhanden. Der Wegfall des Schaltgetriebes führt zu einer lückenlosen Beschleunigung des Fahrzeugs. Damit lässt sich das Fahrverhalten als sehr dynamisch, sportlich und angenehm beschreiben.
Die Fahrzeuge sind lokal emissionsfrei. Ein Fahrverbot in Städten, wie es für Verbrennungsmotoren teilweise bereits eingeführt worden ist, wird es für E-Autos nicht geben. Außerdem können sich Käufer und Fahrer eines E-Autos aktuell noch als Trendsetter bezeichnen.

Fahren Sie privat selbst ein E-Fahrzeug?

Ja, seit circa einem Jahr und ich würde nie wieder ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor kaufen. Ich fahre durchaus auch Strecken von 500 Kilometern pro Tag.

Wie würden Menschen, die regelmäßig bei Ihnen mitfahren, Ihr Fahrverhalten beschreiben?

Ich habe keinen Bedarf an hohen Geschwindigkeiten. Daher würden mich meine Mitfahrer als vorausschauend und vernünftig beschreiben, auch wenn ich zugegeben eine Vorliebe für eine zügige Beschleunigung nach den Rotphasen an der Ampel habe.

Worauf sollten unsere Leser achten: Welche Besonderheiten bringen E-Fahrzeuge bei der Kfz-Versicherung mit sich?

Die Batterie muss mitversichert sein, sowohl beim Kauf als auch der Miete der Batterie. Am besten wählen Fahrer direkt die Versicherung des Autoherstellers, da bei allen anderen Versicherern großes Unwissen diesbezüglich herrscht. Sie sollten sich schriftlich bestätigen lassen, dass auch die teure Batterie mitversichert ist.

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