Niklas Meisenzahl - Rennfahrer & Fahrsicherheitstrainer

„Im Motorsport ist jeder für sich selbst verantwortlich.“

Seit seinen Anfängen im Kart im Alter von 13 Jahren ist Niklas Meisenzahl vom Rennsportfieber infiziert. Rund 10.000 Kilometer rast er pro Jahr über die Pisten dieser Welt. Daneben ist er als Fahrsicherheitstrainer für den ADAC sowie als Instruktor und Coach auf verschiedenen Rennstrecken tätig. Auch den Abschluss seines BWL-Studiums hat sich der ehrgeizige Rennfahrer zum Ziel gesetzt.

Der Nordfriese mit der Vorliebe für sportliche Autos ist auch im zivilen Straßenverkehr jährlich zehntausende Kilometer unterwegs. Im Interview mit kfz-versicherung.com verrät Niklas Meisenzahl, was ihn dort auf die Palme bringt und was eine Rennwagen-Versicherung von einer normalen Kfz-Versicherung unterscheidet.

Was war der größte beziehungsweise teuerste Schaden, den Sie je auf der Rennstrecke verursacht haben?

Ich hatte bereits mehrere kleine Kollisionen. Die gehören im Motorsport einfach dazu. Einen heftigen Unfall gab es leider auch. Aufgrund von Betriebsmitteln auf der Rennstrecke ging es mit rund 120 km/h in die Leitplanke und letztendlich auch mit einem Überschlag über diese. Das Fahrzeug hatte einen Totalschaden, mir ist jedoch außer ein paar leichten Prellungen nichts weiter passiert. Das habe ich dem hohen Sicherheitsstandard und der Rettungskette bei motorsportlichen Veranstaltungen zu verdanken.

Geht Ihnen bei einem Unfall auf der Rennstrecke der Gedanke „Oh Gott, wie teuer wird das nun wieder?“ durch den Kopf?

Unfälle im Motorsport sind sehr teuer. Da geht mir als BWL-Student schon des Öfteren die Höhe der Kosten durch den Kopf. Diese Gedanken habe ich aber nur vor und nach dem Rennen. Wenn der Helm aufgesetzt wird, wird Rennen gefahren. Im Falle eines Unfalls geht es dann immer zuerst um die Gesundheit.

Wie sind Sie versichert, wenn Sie im Rennwagen sitzen?

Hier sind die verschiedenen Einsätze zu unterscheiden. Während eines Rennens bin ich persönlich durch meine Motorsportlizenz abgesichert. Das Rennfahrzeug ist über eine Rennkaskoversicherung abgesichert. Etwas anders sieht es aus, wenn ich bei freien Fahrten in einem Rennwagen sitze. Hier bin ich über meine eigenen Versicherungen abgesichert und das Rennfahrzeug wieder über eine Rennkaskoversicherung.
Eine Rennkaskoversicherung ist dabei nicht identisch zur normalen Fahrzeugversicherung im Straßenverkehr. Im Straßenverkehr haftet jeder für sein eigenes Tun und Handeln und somit auch für die Schäden, die an anderen Fahrzeugen durch das eigene Auto entstehen. So funktioniert es im Motorsport nicht. Hier ist jeder für sich selbst verantwortlich. Es ist egal, ob ich in einen unverschuldeten Unfall verwickelt werde, ich von Konkurrenten beschädigt werde oder selbst einen Unfall verursacht habe. Jeder bezahlt seinen eigenen Schaden an seinem Fahrzeug.
Durch die Selbstbeteiligung lässt sich die Rennkaskoversicherung etwas reduzieren. Allerdings starten die meisten Selbstbeteiligungen bei 6.000 Euro und gehen schnell in Richtung 40.000 Euro. Die Selbstbeteiligungen sind so hoch, da ein Rennwagen sehr teuer ist und je nach Klasse und Aufbau zwischen 80.000 und 100.000 Euro kostet.

Wie leicht fiel Ihnen als Rennsportler die Führerscheinprüfung?

Durch meine frühen Schritte im Kart-Sport und auch die frühen Fahrten im Auto hatte ich schon Übung. So fiel mir das Autofahren selbst recht einfach. Allerdings bin ich durch ungünstige Umstände zweimal durch die praktische Führerscheinprüfung gerauscht.

Über welche Situation im alltäglichen Straßenverkehr haben Sie sich bisher am meisten aufgeregt?

Als Rennfahrer und Instruktor habe ich bereits viele Erfahrungen gemacht und durfte diese als Fahrsicherheitstrainer auch vermitteln. Ein Thema, das mich oft aufregt, ist das unnötige und zum Teil sehr gefährliche Überholen auf Land- und Bundesstraßen. Viele meinen damit Zeit gutzumachen. Letztlich sieht man genau das Fahrzeug dann an der nächsten Ampel wieder vor einem stehen. Wenn überhaupt, lassen sich auf Kurzstrecken höchstens ein paar Minuten „herausfahren“. Dafür ein solches Risiko an manchen Stellen einzugehen, regt mich tatsächlich sehr auf.

Mit welchem Fahrzeug und wie viel PS sind Sie privat unterwegs?

Ich fahre einen Kombi eines Münchener Herstellers mit 163 PS.

Welchen besonderen Tipp haben Sie für unsere Leser – gerade diejenigen, die gerne zügig unterwegs sind, wie sie am besten Unfälle im Straßenverkehr vermeiden?

Grundsätzlich kann ich jedem mitgeben, dass mehr oder weniger alles über die Geschwindigkeit zu regeln ist und diese mit vorausschauendem Fahren ein gutes Zusammenspiel darstellt.
Als Fahrsicherheitstrainer empfehle ich natürlich zu einem meiner Trainings zu kommen. Da wäre einerseits das ADAC Fahrsicherheitstraining, mit dem Interessierte ihr Auto und sich besser kennenlernen können. Daneben gibt es das Sportfahrertraining, mit dem gezielt und kontrolliert die eigenen Grenzen erlebt werden können. Für Menschen, die eine Motorsportkarriere anstreben, leite ich auch Rennstreckentrainings mit der Option auf eine Rennlizenz.

 

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