Gerd Lottsiepen - Verkehrsclub Deutschland

Foto: VCD / Katja Täubert

„Autos werden in Zukunft eine kleinere und veränderte Rolle spielen.“

Negative Schlagzeilen bestimmen derzeit das Stimmungsbild der Deutschen, wenn es um das Auto geht. Der Abgasskandal, die verfehlten Klimaziele der Bundesregierung sowie die Diskussionen um Fahrverbote und Tempo 30-Zonen in den Innenstädten sind die meistdiskutierten Themen.

Gerd Lottsiepen engagiert sich seit über 30 Jahren in den Bereichen Verkehr und Umwelt. Seit 1992 ist er für den Verkehrsclub Deutschland (VCD) aktiv, wo er sich als verkehrspolitischer Sprecher für eine umwelt- und sozialverträgliche Mobilität einsetzt. Welche Baustellen er dabei bearbeitet und wie der Verkehr 2050 nach Vision des VCD aussieht, verrät Lottsiepen im Interview mit kfz-versicherung.com.

Deutschland kommt in Sachen Energiewende nicht wie erhofft voran. Was sind die drei bedeutendsten Gründe dafür?

Zunächst einmal sind die Preise für fossile Energieträger viel zu niedrig. Technologien, bei denen das Treibhausgas CO2 ausgestoßen wird, sind damit viel zu leicht verfügbar. Darüber hinaus sind die CO2-Grenzwerte, die den Klimawandel abbremsen sollen, zu lasch angesetzt.

Der dritte Punkt ist, dass die Infrastruktur für umweltfreundliche Alternativen nicht gut genug ausgebaut ist. Es fehlt an Wind- und Solaranlagen, es fehlen Stromnetze, die regenerativen Strom zum Kunden bringen und eine ausreichende Ladeinfrastruktur. Vor allem aber geht der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs zu langsam voran.

Welche Maßnahmen müssen konkret ergriffen werden, damit die Energiewende endlich in Schwung kommt?

Klar ist, ohne eine Verkehrswende wird es keine Energiewende geben. Wie angesprochen müssen die Preise für CO2 ausstoßende Fahrzeuge steigen, die Schadstoffgrenzwerte verschärft und die Infrastruktur für einen klimafreundlichen Verkehr ausgebaut werden.

Gerade der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) und auch der Fahrradverkehr müssen zudem gefördert und die entsprechende Infrastruktur dafür ausgebaut werden.

Wie sehr können Konzepte wie Carsharing und Elektromobilität helfen, die Klimaziele zu erreichen?

Was wir brauchen, ist eine Dekarbonisierung des Verkehrs. Das heißt, bis 2050 muss jedes Auto in Deutschland CO2-frei unterwegs sein. Dafür ist der Ausbau der Elektromobilität unbedingt notwendig.

Doch das allein reicht nicht. Es braucht außerdem eine bessere Organisation des Verkehrs, damit die Straßen entlastet werden. Hier ist Carsharing natürlich ein Konzept, was zum Erreichen der Klimaziele beiträgt. Aber auch der öffentliche Nahverkehr spielt hierfür eine wichtige Rolle.

Die durchschnittliche PS-Zahl eines Neuwagens in Deutschland nahm seit 2005 um über 30 Prozent zu, was die niedrigeren Emissionen moderner Fahrzeuge zunichtemacht. Wie können die Sinne der Autobauer und -fahrer für den Klimaschutz geschärft werden?

Spätestens seit dem Abgasskandal wissen wir, dass die Autoindustrie klare Regeln und strenge Kontrollen benötigt. Es braucht ein verbindliches Ordnungsrecht für die Autobauer. Darüber hinaus müssen die Sinne der Autofahrer schon in der Fahrausbildung geschärft werden. Durch einen vorausschauenden und spritfahrenden Fahrstil können die Emissionen um bis zu 20 Prozent gesenkt werden.

Dass sie mit solchen kleinen Maßnahmen zum Klimaschutz beitragen können, muss in das Bewusstsein der Menschen gelangen, aber auch, dass ein Leben ohne Auto möglich ist. Alternative Angebote wie Carsharing, Leihroller, E-Bikes und so weiter werden immer weiter ausgebaut. Die Menschen sollten es einfach ausprobieren und werden sehen, dass ein eigenes Auto gar nicht nötig ist.

Wie lässt sich in Zukunft Autoverkehr mit Umweltschutz verbinden?

In der Studie „Klimafreundlicher Verkehr in Deutschland“, die wir gemeinsam mit großen Umweltverbänden erarbeitet haben, schätzen wir, dass 2050 noch etwa 17 Millionen Autos auf den deutschen Straßen unterwegs sind. Heute sind es über 40 Millionen. Autos werden also auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, nur eben eine kleinere und veränderte Rolle.

Denn einerseits werden die Autos im Gegensatz zu heute emissionsfrei unterwegs sein. Andererseits werden endlich bessere Bedingungen für Alternativen, also den öffentlichen Nahverkehr und den Fahrradverkehr, herrschen.

Mit welchen Fahrzeugen sind Sie privat unterwegs?

Ich wohne in Berlin, lebe gut ohne Auto und bin daher entweder mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV unterwegs. Von Zeit zu Zeit nutze ich auch Carsharing oder – wenn ich im Urlaub bin – einen Leihwagen.

Wie würden Menschen, die regelmäßig bei Ihnen mitfahren, Ihr Fahrverhalten beschreiben?

In meinem früheren Berufsleben habe ich Fortbildungen für Fahrlehrer durchgeführt. In diesen Fortbildungen habe ich die Fahrschulausbilder in umweltschonendem und spritsparendem Fahren unterrichtet. Ich selbst fahre vorausschauend, spritsparend und leise und hoffe, dass es von meinen Mitfahrerinnen und Mitfahrern als angenehm empfunden wird.

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