Gerald Vogel

„Hausfrauentricks funktionieren bei uns nicht.“

Jeder Autofahrer kennt ihn, mancher fürchtet: Den Moment, wenn der eigene Wagen zur Hauptuntersuchung (HU) muss. Gerade Besitzer älterer Modelle zittern, ob ihr Fahrzeug es noch ein letztes Mal durch die Prüfung schafft. Dass auch mal getrickst wird, um die Prüfer von der Tauglichkeit des Autos zu überzeugen, erleben von Zeit zu Zeit die Mitarbeiter des TÜV Thüringen.

Gerald Vogel, Fachgebietsleiter Fahrzeug der TÜV Thüringen Fahrzeug GmbH, schildert im Interview mit kfz-versicherung.com die kuriosesten Versuche der Autofahrer und warum letztlich keine Chance haben. Weiterhin verrät er, welche technischen Neuerungen der Autobauer ihn besonders faszinieren.

Was sind die häufigsten Gründe dafür, dass ein Auto durch den TÜV fällt?

In Deutschland fällt fast jeder fünfte Pkw durch die Hauptuntersuchung. Das geht aus dem TÜV-Report 2018 hervor. Besonders oft beanstanden unsere Prüfingenieure eine defekte Beleuchtung, mangelhafte Bremsen, Probleme am Fahrwerk, Ölverlust und schadhafte Auspuffanlagen.

Was können Autofahrer tun, um Ihr Fahrzeug optimal auf die Prüfung vorzubereiten?

Wichtig ist es, an seinem Fahrzeug die regelmäßigen Inspektionstermine wahrzunehmen und dafür eine qualifizierte Fachwerkstatt aufzusuchen. Einige Dinge können auch in Eigenregie im Vorfeld der Hauptuntersuchung (HU) kontrolliert werden, beispielsweise die Funktion der lichttechnischen Einrichtung.

Ist es schon einmal vorgekommen, dass Autofahrer versuchten die Prüfer zu „bestechen“, um das Fahrzeug doch noch durch den TÜV zu bringen? Wenn ja, was waren die häufigsten „Tricks“ der Fahrzeughalter?

Das kommt schon ab und zu mal vor, ist aber eher die Ausnahme. Wer weiß, dass sein Fahrzeug Sicherheitsmängel hat, sollte diese aus eigenem Interesse beheben lassen. Oftmals wird die Ehefrau als Unwissende zur Prüfung geschickt, um den Prüfer schöne Augen zu machen.

Aber leider keine Chance. Erstens fallen die Kollegen darauf nicht herein und arbeiten die Prüfpunkte konsequent ab. Und zweitens könnte es ja auch sein, dass eine Prüferin die Hauptuntersuchung durchführt. Der „Hausfrauentrick“ funktioniert also nicht.

Die Autobauer versuchen mit Fahrassistenten, Einparkhilfen und Co. um die Gunst der Autokäufer zu werben. Über welche technische Neuerung der Hersteller haben Sie zuletzt besonders gestaunt?

Das automatisierte Fahren wird sicher eine der größten Innovationen der Zukunft sein. Bereits heute gibt es teilautomatisierte Systeme. Faszinierend finde ich das vollautomatisierte Parken und die Bedienung per Gestensteuerung. Hier werden sich die Bedienkonzepte des Autos der Zukunft sicher völlig von den bisherigen Modellen unterscheiden.

Welche Gesetzesänderungen wären nötig, um den Autoverkehr in Deutschland sicherer zu machen? Müsste die PS-Zahl für den zivilen Verkehr begrenzt werden?

Das ist sicher der falsche Weg. Wir haben in Deutschland eine gut geregelte Straßenverkehrsordnung. Dennoch geschehen mehr als 2,6 Millionen Verkehrsunfälle auf deutschen Straßen – Tendenz steigend.

Der Faktor Mensch spielt letztlich die entscheidende Rolle im Unfallgeschehen. Immerhin 97 Prozent aller Unfälle sind darauf zurückzuführen. Uns als TÜV Thüringen liegen dabei die schwächeren Verkehrsteilnehmer besonders am Herzen, also Kinder, Fußgänger, Radfahrer und motorisierte Zweiradfahrer.

Daher unterstützen wir über den Verband der TÜV zum Beispiel die Aktion „Abbiegeassistent für Lkw“ des Bundesverkehrsministeriums. Ein weitaus größeres Potential der Unfallvermeidung sehe ich in der Bekämpfung von Alkohol und Drogen am Steuer.

Welches Fahrzeug fahren Sie privat?

Ich fahre einen Audi A4 Avant.

Wie würden Menschen, die regelmäßig bei Ihnen mitfahren, Ihr Fahrverhalten beschreiben?

Zügig, sportlich aber sicher. Ich bin zwar gern auch einmal auf einer leeren Autobahn etwas schneller unterwegs, allerdings halte ich mich an die vorgeschriebene Geschwindigkeitsbegrenzung. Da ist mir der Führerschein doch wichtiger als der Kick.

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